In der "Volksrepublik Lugansk" gibt es in den letzten Tagen des November 2017 einen Machtkampf innerhalb der Führung. Die Hintergründe beleuchten wir hier. Formal nennt sich jenes Gebilde im Osten der Ukraine rund um die Stadt Luhansk eine Volksrepublik, doch mit dem gemeinen Volk hat jene international nicht anerkannte Republik überhaupt nichts zu tun. Das Volk wurde niemals regulär befragt, ob es solch ein Gebilde überhaupt wolle. Vielmehr ist das Land ein Pariastaat von Russlands Gnaden und wirtschaftlich, militärisch und politisch von Moskau abhängig.

DonetskMinistersHeute morgen wurde in Donezk der Kommandeur des Somalia-Battaillons Michail Tolstych, genannt Giwi, getötet. Damit hat das große Sterben der ostukrainischen Separatistenelite einen weiteren Höhepunkt erreicht. Doch ist der Tod jenes Giwis nur eine Nummer in einer langen Liste von plötzlichen Todesfällen. Damit wird der Artikel "Das gewaltsame Ableben der ostukrainischen Separatistenelite" weiter ergänzt. Das obige Foto zeigt das Luhansker Führungspersonal nach der Machtübernahme 2014. Von den neun Personen auf dem Bild sind fünf inzwischen tot:

Durch die Veröffentlichungen von Wikileaks wurde Blackwater bekannt, ein privates us-amerikanisches Sicherheits- und Militärunternehmen, das sich heute Academi nennt. Abgekürzt werden solche Firmen als PMC bezeichnet - Private Military Contractor. Kaum jemand weiß jedoch, dass auch Russland sich solcher Firmen bedient. Die russische Webseite Fontanka hat solch ein geheim agierendes Unternehmen vorgestellt: TschWK Wagner, wobei TschWK das russische Kürzel für PMC ist.

liqidiertEine seltsame Anhäufung von Todesfällen sucht die ostukrainische Führungsriege heim. Insgesamt wurden bisher sieben neun tote Separatistenanführer gezählt, von denen keiner im Kampf gegen die ukrainische Armee gestorben ist, sondern alle anderweitig gewaltsam ums Leben kamen. Es besteht der Verdacht, dass es sich um eine Säuberungsaktion unter der ostukrainischen Führung handelt. Alle Personen, die sich nicht dem Befehl Moskaus unterwerfen, werden liquidiert. Verantwortlich soll teilweise jene TschWK Wagner sein, eine private russische Sicherheitstruppe. TschWK ist die russische Form des Kürzels PMC, Private Military Contractor.

Nachfolgend eine Zusammenstellung, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

Vladislav Surkov in 2010Wladislaw Surkow ist ein Putin-Flüsterer. Einer der Menschen im Kreml, die nicht ständig im Rampenlicht stehen, aber großen Einfluss auf dessen Politik haben. Formal ist Surkow für die quasi von Russland annektierten Gebiete Georgiens Abchasien und Südossetien und für die Ukraine verantwortlich. Obwohl Surkow auf der Sanktionsliste der Europäischen Union steht, sah man den Mann zuletzt bei den Verhandlungen über das Minsker Abkommen in Berlin neben Wladimir Putin sitzen. [Foto: Wladislaw Surkow 2010(Kremlin.ru)]

Flag of GreeceSechs Jahre hatte Griechenland Zeit, seine finanziellen Probleme in den Griff zu bekommen. Doch offensichtlich hat diese Zeit nicht ausgereicht, die Finanz- und Steuerverwaltung zu reformieren, ein landesweites Kataster einzuführen, die Schattenwirtschaft zu reduzieren, eine Sozial- und Rentenreform durchzuführen und mit Hilfe der EU die Wirtschaftsleistung zu erhöhen. Aber vielleicht hatte man dazu auch gar keine Lust, denn man hatte sich im bestehenden System gemütlich eingerichtet.

Kurznachrichten & Personalien

Menschen als Soldaten untauglich

Dmitri Ostaptschuk, Leiter der russischen Staatsfirma 766UPTK, zeigt sich als Menschenfreund und erklärt die Vorzüge von Kampfrobotern.
"Die Reproduktion eines menschlichen Soldaten dauere knapp 20 Jahre, darunter neun Monate im Mutterleib, 18 Wachstumsjahre und mindestens ein Jahr Gefechtsausbildung. Das ist unverzeihlich lang, wenn die Kriegsverluste groß sind.
Um einen ausgefallenen Kampfroboter zu ersetzen, braucht man nur zwei Monate – und das in der Friedenszeit. Im Krieg würde diese Zeit sogar auf wenige Tage gekürzt werden – entsprechende Technologien sind bereits erprobt worden.
Jeder Soldat, auch wenn er in der Ausbildung sehr gut war, wird in einem echten Kampf vom Selbsterhaltungstrieb gepackt, wodurch er völlig seine Gefechtsfähigkeit verlieren kann. Roboter haben dieses Problem nicht."

Abgesehen davon, dass man in einer Welt nicht leben möchte, in der Kampfroboter Menschen abschlachten, entlarvt den Mann dessen Sprache. Der Mensch wird zum Material, wird entmenschlicht und als untauglich disqualifiziert. Das kennt man aus der Geschichte in der despotische Herrscher die Menschen in tauglich und untauglich sortierten. Und die Untauglichen in KZs oder Gulags entsorgten.
OM 30.11.17

Siemens und das russische Geisterkraftwerk Taman

Der ukrainische Militärblogger Dmytro Tymchuk war einer der wenigen verlässlichen Autoren in der heißen Phase des russischen Krieges gegen die Ostukraine. Der Mann ist heute Parlamentsabgeordneter. Wenn seine aktuellen Ausführungen zu jenen Siemens-Turbinen stimmen, dann ist jenes Kraftwerk in Taman, an das jene Siemens Turbinen geliefert wurden, nichts als eine Schimäre. Von Russland in die Welt gesetzt, damit man mit den Bauteilen ungehindert  ein Kraftwerk auf der Krim ausrüsten kann. Nach seinen Aussagen hätte das Siemens wissen müssen. Das dürfte sich für Siemens noch zu einem großen Problem aufbauen.

OM, 26.07.2017

Minderheitenschutz

Donald Trump, frisch gewählter Präsident der USA, genießt als Rechtspopulist Minderheitenschutz. Den gewährt ihm zumindest das amerikanische Wahlsystem. Denn nach einer aktuellen, aber noch nicht vollständigen Auszählung der Wählerstimmen bekam die unterlegene Kandidatin Hillary Clinton etwa eine Million mehr Wählerstimmen als der Trumpinator. Der Grund ist das dortige Wahlsystem, das über das System der Wahlmänner die Wähler kleinerer Staaten etwas bevorzugt. Das Lamentieren ob solcher Ungerechtigkeiten hilft jedoch nichts - der Mann ist rechtmäßig gewählt.

OM, 16.11.2016

Nachtrag: Inzwischen ist der Vorsprung von Clinton weiter angewachsen. Während Trump nur 62,2 Millionen Wählerstimmen erreicht hat, kommt Clinton inzwischen auf 64,2 Millionen - also zwei Millionen Stimmen mehr. Das ändert aber am Wahlergebnis nichts.

OM, 23.11.2016

Von oben legitimierte Korruption

Micheil Saakaschwili, Gouverneur der Region Odessa/Ukraine, ist von seinem Amt zurückgetreten. Sein Rücktritt ist eine direkte Kritik am ukrainischen Präsidenten  Poroschenko, dem er vorwirft,  zwei korrupte Clans in der Region zu unterstützen. Saakaschwili war bis 2012 Präsident von Georgien, kämpfte dort erfolgreich gegen Korruption. Inzwischen wird gegen den Mann in Georgien wegen Amtsmißbrauch ermittelt und ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Die EU hält dieses Vorgehen für politisch motiviert.
OM, 07.11.2016

Jedem Kalle eine Rolex

Karl-Heinz „Kalle“ Rummenigge soll dieses Jahr bei der Einreise nach Deutschland zwei Luxusuhren im Wert von ca. 100.000 € ins Land geschmuggelt haben. Das Amtsgericht Landshut habe deshalb einen  hohen Strafbefehl erlassen, meldet Focus vor wenigen Tagen. Diese Nachricht konnte man quer durchs Boulevard lesen, wäre also keine Notiz wert. Rummenigge war aus Katar gekommen & hatte in offiziellem Auftrag dort ein Stadion für die Fußball-WM 2022 besichtigt. Angeblich hätte ein Freund ihm die Uhren geschenkt. Da stellt sich doch automatisch die Frage, was war das für ein guter Freund? War es vielleicht ein Geschenk, um die umstrittene Vergabe der WM in den Wüstenstaat etwas akzeptierter zu machen? Wurden damit evtl. deutsche Fußball-Funktionäre geschmiert oder bestochen? Da schweigt das Boulevard & Rummenigge sowieso. OskarMaria, 24.09.2012

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