In der "Volksrepublik Lugansk" gibt es in den letzten Tagen des November 2017 einen Machtkampf innerhalb der Führung. Die Hintergründe beleuchten wir hier. Formal nennt sich jenes Gebilde im Osten der Ukraine rund um die Stadt Luhansk eine Volksrepublik, doch mit dem gemeinen Volk hat jene international nicht anerkannte Republik überhaupt nichts zu tun. Das Volk wurde niemals regulär befragt, ob es solch ein Gebilde überhaupt wolle. Vielmehr ist das Land ein Pariastaat von Russlands Gnaden und wirtschaftlich, militärisch und politisch von Moskau abhängig.

Jener "Staat" demaskiert auch jene Märchen vom Bürgeraufstand im Osten der Ukraine gegen die "Putschisten vom Maidan". Zweifellos gab es dort viele Bürger, die politisch dem gestürzten Präsidenten Janukowytsch nahe standen, die sich mit den Anti-Maidan-Demonstrationen im Winter/Frühjahr 2014 identifizierten, der Krieg wurde aber von Russland ins Land gebracht. Das schilderte eindrucksvoll der russische Geheimdienstoffizier Igor Girkin in mehreren Interviews.

Der Mann hatte reichlich Erfahrung in hybrider Kriegsführung: Der Einsatz von verdeckt kämpfenden Truppen, bzw. Soldaten und militärische Ausrüstung ohne Hoheitszeichen, die auf fremdem Territorium operieren, begleitet von Desinformations- und Propaganda-Kampagnen. Erste Erfahrungen sammelte Girkin bei den prorussischen Kämpfen in Moldawien, die zur Abspaltung von Transnistrien geführt haben. Zitat Girkin: „Den Auslöser zum Krieg habe ich gedrückt. Wenn unsere Einheit nicht über die Grenze gekommen wäre, wäre alles so ausgegangen wie in Charkiw und in Odessa".“

Valery Bolotow erklärt die Unabhängigkeit der Luhansker Volksrepublik im Mai 2014 Valery Bolotow war der erste „Präsident“ der Luhansker Separatistenrepublik. Der hatte ebenfalls Kriegserfahrung in den Kämpfen um Berg Karabach. Da der Mann aus Russland stammte, genau so wie der Donezker Führer Alexander Borodai und das in der Öffentlichkeit nicht gut ankam, wurde die Führung der beiden „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk im August 2014 ukrainisiert.

Foto: Valery Bolotow erklärt die Unabhängigkeit
der Luhansker Volksrepublik im Mai 2014 

In Donezk wurde Borodai durch Alexander Sachartschenko abgelöst, in Luhansk folgte auf Bolotow der ukrainisch stämmige Igor Wenediktowitsch Plotnizki (Foto). plotnitzkiDer war aber eher ein schwabbeliger Schmierenbürokrat als ein schneidiger Staatslenker und musste ständig um sein politisches Überleben kämpfen. Mit Hilfe seines Sicherheitsapparats und besonders der Verbände jener TschWK (PMC) Wagner gelang es ihm, die unbotmäßigen Kosakenverbände unter seine Kontrolle zu bringen und jeden politischen Widerstand auszuschalten (siehe Aufstellung im Teil 3). Die Novaja Gazeta hatte schon im Dezember 2015 ein Ende von Plotnizkis mit Gewalt errungener Macht durch Gewalt für wahrscheinlich gehalten. So überlebte er im Sommer 2016 einen Anschlag nur knapp - eine Landmine war unter seinem Fahrzeug explodiert.

Das Ende von Plotnizki kam, als er sich mit dem Luhansker Sicherheitschefs Kornet anlegte und diesen entlassen wollte. Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet die Jungs vom TschWK Wagner, die er für seine Säuberungen beauftragt hatte, nun das Ende der Herrschaft von Plotnizki einläuteten. Das berichtet sowohl der ukrainische Geheimdienst, wie auch unabhängige Beobachter. Denn es waren wieder jene schwer bewaffneten „grünen Männchen“ - also vermummte Soldaten in Tarnuniformen ohne Kennzeichen, die das Zentrum von Luhansk besetzen und alle Verwaltungseinrichtungen blockierten. Plotnizki durfte seinen „Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen“ nicht einmal selbst verkünden und verschwand sang- und klanglos ins Moskauer Exil.

Das Foto zeigt das Luhansker Führungspersonal nach der Machtübernahme 2014. Von den neun Personen auf dem Bild sind fünf inzwischen tot: DonetskMinisters2

All diese Vorgänge entlarven den wahren Zustand jener von Russland erschaffenen Volksrepubliken im Osten der Ukraine. Es sind keine Republiken mit demokratisch legitimierten Volksvertretern, sondern per Akklamation berufene Repräsentanten Moskaus. Im Volksmund nennt man solche Leute Silowiki (abgeleitet vom russischen Wort für Kraft bzw. Stärke), also Leute aus dem Umfeld von Geheimdiensten und Armee, die auf wichtige Positionen in der Wirtschaft und in der Politik berufen werden.

Aber jene Silowiki sind keine einheitliche Gruppe von Staatsdienern, sondern kämpfen auch untereinander um Einfluss, politische Macht und um ihre eigenen finanziellen Interessen. So geht es auch in den aktuellen Auseinandersetzungen in der Volksrepublik Lugansk nicht um große Politik, sondern um die wirtschaftlichen Interessen jener Silowiki. Igor Plotnizki wurde vielfach vorgeworfen, sich an den russischen Hilfslieferungen und am Export der geförderten Kohle bereichert zu haben. Seinem Kontrahenten, dem Innenminister Igor Kornet wird vorgeworfen, illegal ein fremdes privates Haus in Besitz gebracht zu haben.

Vielen Silowiki gelingt es auf Grund ihrer Macht, in kurzer Zeit sehr reich zu werden. Aber man kann auch schnell sterben, wie jene Aufstellung zeigt, die die Opfer von Plotnizkis Säuberungswelle zusammenstellt.


PinezhaninWjatscheslaw (Vyacheslav) Pinezhanin und Michail (Mikhail) Kovalev, getötet am 28.11.2014
Wjatscheslaw Pinezhanin war der Militärkommandeur von Antrazyt, einer Bergarbeiterstadt mit etwa 50.000 Einwohnern. Michail Kovalev war sein Stellvertreter. Beide waren Führungsoffiziere in der Nationalgarde der Kosaken unter der Führung des Atamans Nikolai Kozitsin. Die Kosakenverbände waren gegenüber der Lugansker Führung von Igor Plotnitzki kritisch eingestellt. So wurde offensichtlich ein Exempel statuiert. Gut ausgerüstete Spezialstreitkräfte, man nimmt an, dass es sich dabei um TschWK Wagner handelt, besetzten das Militärhauptquartier der Stadt. Bei der Schießerei wurden vier Personen getötet, darunter Pinezhanin und Kovalev. Der Ataman Kozitsin wurde in der Folge verhaftet und nach Russland gebracht. Er ist nicht mehr zurück gekehrt.


bednovAlexander Bednow (Alexandr Bednov), Kampfname Batman, getötet am 01.01.2015
Die selbsternannte Führung der Lugansker Volksrepublik unter Leitung von Igor Plotnitski liquidierte wohl den Kommandanten seiner schnellen Eingreiftruppe, Alexander Bednow , alias Batman. Bednov und seine sechsköpfige Leibwache starben in einem Hinterhalt nahe dem Örtchen Georgievka in der Ostukraine. Mit Granatwerfern wurde das gepanzerte Fahrzeug von Bednow beschossen, die Insassen wurden regelrecht gegrillt und deren Leichen bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.
Später wurden Vorwürfe veröffentlicht, dass Bednow im Keller einer Kaserne ein Foltergefängnis unterhalten hätte und dort Menschen durch Schläge zu Tode gekommen wären. Richtig dürfte allerdings auch sein, dass Bednow nicht deshalb so bestialisch ausgeschaltet wurde, sondern weil er sich wohl Befehlen der Luhansker Führung widersetzt hatte.


ischenkoEvgeny Ischenko (Jewhen Istschtschenko), getötet am 23.01.2015
Ischenko war ein Kommandant der nationalen Kosackengarde des russischen Atamans Nikolai Kozitsin und war als Bürgermeister der Stadt Perwomajsk eingesetzt worden.
Er hatte sich kritisch zum Lugansker Chef Igor Plotnitzki geäußert und ihm Korruption und Raub vorgeworfen. Ein paar Wochen vor seinem Tod hatte er auch die Unterzeichnung des Minsker Friedensabkommens durch Plotnitzki kritisiert.
Ischenko wurde zusammen mit drei anderen Menschen erschossen aufgefunden


Aleksey Mozgovoy 2014Alexander Mosgowoj (Aleksey Mozgovoy), getötet am 23.05.2015
Mosgowoj kommt aus dem ukrainischen Swatowe, dort soll der Mann im Kosakenchor gesungen haben. Später arbeitete er als Koch in St. Petersburg in Russland. Mosgowoj war Kommandeur der Prizrak(Geister)-Brigade in der Ostukraine. In russophilen Medien wurde der Mann als der Che Guevara von Lugansk bezeichnet. Zitat: "Mozgovoy ist ein Revolutionär, ein russischer Che Guevara des 21. Jahrhunderts, er hat gezeigt wie man gegen die Faschisten kämpfen muss und wie man Siegen kann, dafür war er schon zu Lebzeiten eine Legende."
Offensichtlich war auch Mosgovoj der Führung von Igor Plotnitzki zu mächtig geworden. Nachdem bereits im März ein Attentat auf ihn verübt worden war, wurde er im Mai 2015 in einem Hinterhalt zusammen mit sieben Leibwächtern getötet.


pavel dremovPawel Dremow (Pavel Dremov), genannt Vati, getötet am 12.12.2015
Dremow, ein 37 Jahre alter ehemaliger Maurer war Kommandeur (Ataman) des Kosaken-Regiments Platow. Die Stadt Stachanow bei Lugansk stand unter der Kontrolle dieses Kosakenverbandes, dazu pflegte Dremow eine alternative Vision der Zukunft der Ostukraine. Er träumte von einer sozialistischen Kosakenrepublik, die für die Armen und Alten eintrat.
Der Mann hatte es gewagt, seine Kritik am Luhansker Führer Igor Plotnitzki direkt an Präsident Putin weiterzuleiten. Er warf der Führung Diebstahl der russischen Hilfslieferungen und der geförderten Kohle vor. Das hätte er nicht tun sollen, Dremow und sein Fahrer wurden auf dem Weg zu seiner Hochzeitsfeier durch eine Autobombe.


Vitaly Kiseljow gestorben im September 2016 -der „Stellvertretender LVR-Verteidigungsminister“ wurde tot in einem Keller aufgefunden.


Genau so wie Sergei Litwin der LVR-Landwirtschaftsminister starb im September 2016.


GennadiyTsypkalovGennadiy Tsypkalov, gestorben am 24.09.2016, ehemaliger Luhansker Premierminister, war verdächtigt, einen Putsch gegen die LVR Führung geplant zu haben und wurde im Gefängnis erhängt aufgefunden. Inzwischen gibt es ein Geständnis eines Polizeimitarbeiters, dass Tsypkalov in Haft gefoltert wurde.


Valeri BolotovValery Bolotow, gestorben am 27.01.2017, war der erste „Präsident“ der Luhansker Separatistenrepublik und wurde nur 46 Jahre alt. Seine Karriere begann beim russischen Militär, er war bei den Kampfhandlungen in Georgien, Armenien und Berg Karabach mit dabei. Später soll er als Geschäftsmann für einen ukrainischen Oligarchen aktiv gewesen sein., bevor er sich in der ostukrainischen Separatistenbewegung hervortat und schnell dort aufstieg. Da der Mann aus Russland stammte wurde er im Zuge der „Ukrainisierung“ der Separatistenführung im August 2014 durch Igor Plotnitzki abgelöst.
Als Chef von Luhansk überlebte er einen Anschlag nur knapp. Unbekannte hatten aus einem Hinterhalt auf ihn gefeuert und ihn verletzt. Nicht überlebt hat er dann 2017 im Moskauer Exil eine Herzattacke, wie die offizielle Todesursache lautet. Seine Frau vermutete allerdings eine Vergiftung, da er bis zum Todeszeitpunkt keine Vorerkrankung gehabt hätte. Dummerweise hatte Bolotow einen Monat zuvor der unabhängigen russischen Nachrichtenagentur Rosbalt ein Interview gegeben, in dem er seinen Nachfolger Plotnitzki beschuldigte, den Tod seiner ehemaligen Mitstreiter angeordnet zu haben.


oleg anaschenkoOleg Anaschtschenk, getötet am 04.02.2017, war Chef der Luhansker Volksmiliz und so etwas wie der Verteidigungsminister der Separatistenrepublik Luhansk. Außer ein paar öffentlichen Erklärungen zur militärischen Lage rund um Luhansk ist wenig über ihn bekannt. Er wollte seinen SUV starten, in dem sich auf der Fahrerseite eine Autobombe befand. Laut OSZE hätte die Bombe eine Sprengkraft von vier bis fünf kg TNT besessen.

Kurznachrichten & Personalien

Menschen als Soldaten untauglich

Dmitri Ostaptschuk, Leiter der russischen Staatsfirma 766UPTK, zeigt sich als Menschenfreund und erklärt die Vorzüge von Kampfrobotern.
"Die Reproduktion eines menschlichen Soldaten dauere knapp 20 Jahre, darunter neun Monate im Mutterleib, 18 Wachstumsjahre und mindestens ein Jahr Gefechtsausbildung. Das ist unverzeihlich lang, wenn die Kriegsverluste groß sind.
Um einen ausgefallenen Kampfroboter zu ersetzen, braucht man nur zwei Monate – und das in der Friedenszeit. Im Krieg würde diese Zeit sogar auf wenige Tage gekürzt werden – entsprechende Technologien sind bereits erprobt worden.
Jeder Soldat, auch wenn er in der Ausbildung sehr gut war, wird in einem echten Kampf vom Selbsterhaltungstrieb gepackt, wodurch er völlig seine Gefechtsfähigkeit verlieren kann. Roboter haben dieses Problem nicht."

Abgesehen davon, dass man in einer Welt nicht leben möchte, in der Kampfroboter Menschen abschlachten, entlarvt den Mann dessen Sprache. Der Mensch wird zum Material, wird entmenschlicht und als untauglich disqualifiziert. Das kennt man aus der Geschichte in der despotische Herrscher die Menschen in tauglich und untauglich sortierten. Und die Untauglichen in KZs oder Gulags entsorgten.
OM 30.11.17

Siemens und das russische Geisterkraftwerk Taman

Der ukrainische Militärblogger Dmytro Tymchuk war einer der wenigen verlässlichen Autoren in der heißen Phase des russischen Krieges gegen die Ostukraine. Der Mann ist heute Parlamentsabgeordneter. Wenn seine aktuellen Ausführungen zu jenen Siemens-Turbinen stimmen, dann ist jenes Kraftwerk in Taman, an das jene Siemens Turbinen geliefert wurden, nichts als eine Schimäre. Von Russland in die Welt gesetzt, damit man mit den Bauteilen ungehindert  ein Kraftwerk auf der Krim ausrüsten kann. Nach seinen Aussagen hätte das Siemens wissen müssen. Das dürfte sich für Siemens noch zu einem großen Problem aufbauen.

OM, 26.07.2017

Minderheitenschutz

Donald Trump, frisch gewählter Präsident der USA, genießt als Rechtspopulist Minderheitenschutz. Den gewährt ihm zumindest das amerikanische Wahlsystem. Denn nach einer aktuellen, aber noch nicht vollständigen Auszählung der Wählerstimmen bekam die unterlegene Kandidatin Hillary Clinton etwa eine Million mehr Wählerstimmen als der Trumpinator. Der Grund ist das dortige Wahlsystem, das über das System der Wahlmänner die Wähler kleinerer Staaten etwas bevorzugt. Das Lamentieren ob solcher Ungerechtigkeiten hilft jedoch nichts - der Mann ist rechtmäßig gewählt.

OM, 16.11.2016

Nachtrag: Inzwischen ist der Vorsprung von Clinton weiter angewachsen. Während Trump nur 62,2 Millionen Wählerstimmen erreicht hat, kommt Clinton inzwischen auf 64,2 Millionen - also zwei Millionen Stimmen mehr. Das ändert aber am Wahlergebnis nichts.

OM, 23.11.2016

Von oben legitimierte Korruption

Micheil Saakaschwili, Gouverneur der Region Odessa/Ukraine, ist von seinem Amt zurückgetreten. Sein Rücktritt ist eine direkte Kritik am ukrainischen Präsidenten  Poroschenko, dem er vorwirft,  zwei korrupte Clans in der Region zu unterstützen. Saakaschwili war bis 2012 Präsident von Georgien, kämpfte dort erfolgreich gegen Korruption. Inzwischen wird gegen den Mann in Georgien wegen Amtsmißbrauch ermittelt und ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Die EU hält dieses Vorgehen für politisch motiviert.
OM, 07.11.2016

Jedem Kalle eine Rolex

Karl-Heinz „Kalle“ Rummenigge soll dieses Jahr bei der Einreise nach Deutschland zwei Luxusuhren im Wert von ca. 100.000 € ins Land geschmuggelt haben. Das Amtsgericht Landshut habe deshalb einen  hohen Strafbefehl erlassen, meldet Focus vor wenigen Tagen. Diese Nachricht konnte man quer durchs Boulevard lesen, wäre also keine Notiz wert. Rummenigge war aus Katar gekommen & hatte in offiziellem Auftrag dort ein Stadion für die Fußball-WM 2022 besichtigt. Angeblich hätte ein Freund ihm die Uhren geschenkt. Da stellt sich doch automatisch die Frage, was war das für ein guter Freund? War es vielleicht ein Geschenk, um die umstrittene Vergabe der WM in den Wüstenstaat etwas akzeptierter zu machen? Wurden damit evtl. deutsche Fußball-Funktionäre geschmiert oder bestochen? Da schweigt das Boulevard & Rummenigge sowieso. OskarMaria, 24.09.2012

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