DonetskMinistersHeute morgen wurde in Donezk der Kommandeur des Somalia-Battaillons Michail Tolstych, genannt Giwi, getötet. Damit hat das große Sterben der ostukrainischen Separatistenelite einen weiteren Höhepunkt erreicht. Doch ist der Tod jenes Giwis nur eine Nummer in einer langen Liste von plötzlichen Todesfällen. Damit wird der Artikel "Das gewaltsame Ableben der ostukrainischen Separatistenelite" weiter ergänzt. Das obige Foto zeigt das Luhansker Führungspersonal nach der Machtübernahme 2014. Von den neun Personen auf dem Bild sind fünf inzwischen tot:

  • Erster  von links: „Stellvertretender LVR-Verteidigungsminister“ Vitaly Kiseljow wurde im September 2016 tot in einem Keller aufgefunden (unbestätigt laut Informnapalm)
  • Zweiter von links: „LVR-Landwirtschaftsminister“ Sergei Litwin starb im September 2016 (unbestätigt laut Informnapalm)
  • Dritter von links: Gennadiy Tsypkalov, gestorben am 24.09.2016 war verdächtigt, einen Putsch gegen die LVR Führung geplant zu haben und wurde im Gefängnis gehängt aufgefunden.
  • Vierter von links: „Stellvertretender LVR-Finanzminister“ Igor Nasarow starb im September 2016 (unbestätigt laut Informnapalm)
  • Fünfter von links, sitzend: „LVR“ Chef Valery Bolotow starb im Januar in Moskau

Der aktuelle Chef der Luhansker Führung Igor Plotnizki ist der sechste von links und hat all seine Kollegen bisher überlebt.

Aber kommen wir zu den nächsten Todesfällen in chronologischer Reihenfolge:


Valery Bolotov proclaims Lugansk People's Republic independence on May 12, 2014Valery Bolotow, gestorben am 27.01.2017, war der erste „Präsident“ der Luhansker Separatistenrepublik und wurde nur 46 Jahre alt. Seine Karriere begann beim russischen Militär, er war bei den Kampfhandlungen in Georgien, Armenien und Berg Karabach mit dabei. Später soll er als Geschäftsmann für einen ukrainischen Oligarchen aktiv gewesen sein., bevor er sich in der ostukrainischen Separatistenbewegung hervortat und schnell dort aufstieg. Da der Mann aus Russland stammte wurde er im Zuge der „Ukrainisierung“ der Separatistenführung im August 2014 durch Igor Plotnitzki abgelöst.
Als Chef von Luhansk überlebte er einen Anschlag nur knapp. Unbekannte hatten aus einem Hinterhalt auf ihn gefeuert und ihn verletzt.

Nicht überlebt hat er dann 2017 im Moskauer Exil eine Herzattacke, wie die offizielle Todesursache lautet. Seine Frau vermutete allerdings eine Vergiftung, da er bis zum Todeszeitpunkt keine Vorerkrankung gehabt hätte. Dummerweise hatte Bolotow  einen Monat zuvor der unabhängigen russischen Nachrichtenagentur Rosbalt ein Interview gegeben, in dem er seinen Nachfolger Plotnitzky beschuldigte, den Tod seiner ehemaligen Mitstreiter angeordnet zu haben.

(Foto: Valery Bolotow erklärt die Unabhängigkeit der Luhansker Volksrepublik im Mai 2014).


oleg anaschenkoOleg Anaschtschenko, getötet am 04.02.2017, war Chef der Luhansker Volksmiliz und so etwas wie der Verteidigungsminister der Separatistenrepublik Luhansk. Außer ein paar öffentlichen Erklärungen zur militärischen Lage rund um Luhansk ist wenig über ihn bekannt. Er wollte seinen SUV starten, in dem sich auf der Fahrerseite eine Autobombe befand. Laut OSZE hätte die Bombe eine Sprengkraft von vier bis fünf kg TNT besessen.


Mikhail Tolstykh2015Michail Tolstych, Kampfnamen Giwi, getötet am 08.02.2017. Der Mann stammt aus der ostukrainischen Stadt Ilowajsk und arbeitete nach seinem Militärdienst als Fabrikarbeiter. Bei den ostukrainischen Separatisten stieg er schnell in den Rang eines Befehlshabers auf. Nach der Schlacht um den Flughafen von Donezk im September 2014 beteiligte Tolstych sich wesentlich an der Misshandlung von ukrainischen Kriegsgefangenen und verstieß somit gegen die Genfer Konventionen. Diesbezügliche Videoaufnahmen gingen unter anderem auf YouTube um die Welt. (Foto: Mstyslav Chernov via Wikipedia)

Nachdem Mitte Oktober 2016 sein Freund Arseni Pawlow, Kampfname Motorola, im Aufzug seines Wohnhauses durch einen Sprengkörper getötet worden war, gab es Gerüchte, dass auch Giwi um sein Leben fürchtete. Er soll seine Appartements in Donezk verkauft und seine Lebensgefährtin nach Transnistrien in Sicherheit gebracht haben. Danach war es still um ihn geworden, bis bei den Kampfhandlungen um Awdijiwka Ende Januar 2017 auch er wieder aufgetaucht ist. Sein Bataillon gehörte offensichtlich zu den Angreifern auf die ostukrainische Stadt. Er wurde leicht verwundet und gab an, dass etwa 40% seiner Männer entweder tot oder verwundet worden wären.

Vor seinem Tod hatte sein Kumpel Motorola aus Sicherheitsgründen häufig in seinem Büro geschlafen. Bei Giwi war es offensichtlich ähnlich. Gegen 6:10 h am Morgen wurde eine RPO-A „Schmel“ Rakete auf sein Büro abgefeuert, die die Wirkung eines Flammenwerfers erzeugt und den Mann bis zur Unkenntlichkeit verbrannt haben dürfte.

Wer für die Ermordung verantwortlich ist, dazu lässt sich trefflich spekulieren. In Frage kommen natürlich ukrainische Geheimdienste, interne Rivalen, der russische FSB usw. Man könnte aber auch die Frage stellen, ob Michail Tolstych für den angezettelten Konflikt um Awdijiwka verantwortlich war, der der russischen Führung nicht ins Konzept passte. Und deshalb öffentlichkeitswirksam liquidiert wurde.

Kurznachrichten & Personalien

Menschen als Soldaten untauglich

Dmitri Ostaptschuk, Leiter der russischen Staatsfirma 766UPTK, zeigt sich als Menschenfreund und erklärt die Vorzüge von Kampfrobotern.
"Die Reproduktion eines menschlichen Soldaten dauere knapp 20 Jahre, darunter neun Monate im Mutterleib, 18 Wachstumsjahre und mindestens ein Jahr Gefechtsausbildung. Das ist unverzeihlich lang, wenn die Kriegsverluste groß sind.
Um einen ausgefallenen Kampfroboter zu ersetzen, braucht man nur zwei Monate – und das in der Friedenszeit. Im Krieg würde diese Zeit sogar auf wenige Tage gekürzt werden – entsprechende Technologien sind bereits erprobt worden.
Jeder Soldat, auch wenn er in der Ausbildung sehr gut war, wird in einem echten Kampf vom Selbsterhaltungstrieb gepackt, wodurch er völlig seine Gefechtsfähigkeit verlieren kann. Roboter haben dieses Problem nicht."

Abgesehen davon, dass man in einer Welt nicht leben möchte, in der Kampfroboter Menschen abschlachten, entlarvt den Mann dessen Sprache. Der Mensch wird zum Material, wird entmenschlicht und als untauglich disqualifiziert. Das kennt man aus der Geschichte in der despotische Herrscher die Menschen in tauglich und untauglich sortierten. Und die Untauglichen in KZs oder Gulags entsorgten.
OM 30.11.17

Siemens und das russische Geisterkraftwerk Taman

Der ukrainische Militärblogger Dmytro Tymchuk war einer der wenigen verlässlichen Autoren in der heißen Phase des russischen Krieges gegen die Ostukraine. Der Mann ist heute Parlamentsabgeordneter. Wenn seine aktuellen Ausführungen zu jenen Siemens-Turbinen stimmen, dann ist jenes Kraftwerk in Taman, an das jene Siemens Turbinen geliefert wurden, nichts als eine Schimäre. Von Russland in die Welt gesetzt, damit man mit den Bauteilen ungehindert  ein Kraftwerk auf der Krim ausrüsten kann. Nach seinen Aussagen hätte das Siemens wissen müssen. Das dürfte sich für Siemens noch zu einem großen Problem aufbauen.

OM, 26.07.2017

Minderheitenschutz

Donald Trump, frisch gewählter Präsident der USA, genießt als Rechtspopulist Minderheitenschutz. Den gewährt ihm zumindest das amerikanische Wahlsystem. Denn nach einer aktuellen, aber noch nicht vollständigen Auszählung der Wählerstimmen bekam die unterlegene Kandidatin Hillary Clinton etwa eine Million mehr Wählerstimmen als der Trumpinator. Der Grund ist das dortige Wahlsystem, das über das System der Wahlmänner die Wähler kleinerer Staaten etwas bevorzugt. Das Lamentieren ob solcher Ungerechtigkeiten hilft jedoch nichts - der Mann ist rechtmäßig gewählt.

OM, 16.11.2016

Nachtrag: Inzwischen ist der Vorsprung von Clinton weiter angewachsen. Während Trump nur 62,2 Millionen Wählerstimmen erreicht hat, kommt Clinton inzwischen auf 64,2 Millionen - also zwei Millionen Stimmen mehr. Das ändert aber am Wahlergebnis nichts.

OM, 23.11.2016

Von oben legitimierte Korruption

Micheil Saakaschwili, Gouverneur der Region Odessa/Ukraine, ist von seinem Amt zurückgetreten. Sein Rücktritt ist eine direkte Kritik am ukrainischen Präsidenten  Poroschenko, dem er vorwirft,  zwei korrupte Clans in der Region zu unterstützen. Saakaschwili war bis 2012 Präsident von Georgien, kämpfte dort erfolgreich gegen Korruption. Inzwischen wird gegen den Mann in Georgien wegen Amtsmißbrauch ermittelt und ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Die EU hält dieses Vorgehen für politisch motiviert.
OM, 07.11.2016

Jedem Kalle eine Rolex

Karl-Heinz „Kalle“ Rummenigge soll dieses Jahr bei der Einreise nach Deutschland zwei Luxusuhren im Wert von ca. 100.000 € ins Land geschmuggelt haben. Das Amtsgericht Landshut habe deshalb einen  hohen Strafbefehl erlassen, meldet Focus vor wenigen Tagen. Diese Nachricht konnte man quer durchs Boulevard lesen, wäre also keine Notiz wert. Rummenigge war aus Katar gekommen & hatte in offiziellem Auftrag dort ein Stadion für die Fußball-WM 2022 besichtigt. Angeblich hätte ein Freund ihm die Uhren geschenkt. Da stellt sich doch automatisch die Frage, was war das für ein guter Freund? War es vielleicht ein Geschenk, um die umstrittene Vergabe der WM in den Wüstenstaat etwas akzeptierter zu machen? Wurden damit evtl. deutsche Fußball-Funktionäre geschmiert oder bestochen? Da schweigt das Boulevard & Rummenigge sowieso. OskarMaria, 24.09.2012

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