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Die Arkadi-Brüder
gezeichnet von:
MOLOSOVSKY

In der Science-Fiction-Erzählung „Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein“ schreiben die russischen Brüder Arkadi und Boris Strugatzki über einen Vertreter der zukünftig, sich weiter entwickelten Menschheit, der auf einem fremden Planeten eine mittelalterliche Gesellschaft studieren soll. Dem Protagonisten ist es eigentlich verboten, in die gesellschaftlichen Entwicklungen einzugreifen. Aber all das Leid, das Elend, die Not, die alltäglichen Intrigen der Mächtigen und die vielen Toten bei deren Auseinandersetzungen führen dazu, dass jener Beobachter versucht einzugreifen. Er will jenen Kräften helfen, die für Aufklärung und Humanität stehen, erreicht damit aber immer das Gegenteil. Das Resümee jenes Romans ist deutlich: Ein Volk kann nicht durch Einmischung von außen befreit werden, dies führt nur zu neuer Unterdrückung und Despotie.

Wir erleben jene Entwicklung in der jüngeren Geschichte an vielen Orten. Es ist die Geschichte von Jugoslawien, das bis 1980 von Josip Tito mit harter Hand zusammen gehalten wurde. Die religiösen, ethnischen und sozialen Unterschiede im Staat wurden mit Zwang kaschiert, brachen aber nach dem Tod des Despoten um so heftiger aus und bescherten dem Land einen blutigen Bürgerkrieg, den weder der Westen noch Russland stoppen konnte.

Auch Gaddafi war mal mit ehrenwerten Zielen angetreten. Er rief bei seiner Machtergreifung die arabische Einheit aus, wollte Freiheit, Gleichberechtigung und Sozialismus für sein Land durchsetzen. Am Ende war nicht mehr viel davon übrig geblieben, Gaddafi hatte sich zum Despoten gewandelt, der sein Land ausbeutete und unterdrückte. Und nach seinem Sturz, unterstützt durch Militär von außen, kam auch keine Demokratie, sondern die Clans streiten sich seither blutig um Macht und Einfluss.

In Syrien erleben wir im Moment eine ähnliche Entwicklung. Die laizistische Baath-Partei kam 1963 dort an die Macht und wollte Einheit, Freiheit und Sozialismus dem Land bringen. Hafiz al-Assad, der Vater des heutigen Machthabers Baschar-al-Assad putschte sich an die Spitze und stabilisierte das Land mit Hilfe der Armee und des Geheimdienstes. Islamisten und Muslimbrüder wurden blutig unterdrückt, sogar die demokratische Opposition wurde verfolgt. Der Erbfolger Baschar Assad machte dann genau damit weiter, was sein Vater ihm vorgelebt hatte.

Man könnte jene Liste noch lange fortsetzen. Ich weiß nicht ob es Dummheit, Ignoranz oder Berechnung ist, wenn Großmächte mehrfach in Afghanistan, im Irak, in Libyen, im Sudan und jetzt in Syrien militärisch eingreifen, aber am Ende die Länder mit ihren vielen ungelösten Problemen und ihren despotischen Strukturen alleine lassen. Und niemand scheint zu lernen – es reicht nicht einen Despoten zu stürzen, ein paar Extremisten zu töten oder Gotteskrieger zu jagen. Um ein Land dauerhaft zu befrieden, müssen die Menschen dort eine Zukunft und auch etwas zu verlieren haben. Waffen und Militär können das nicht leisten.

Es gab die Hoffnung, dass unter Obama jener selbst definierte Anspruch der USA geringer werden würde, als Weltpolizist agieren zu müssen. Die gescheiterte Befriedung Afghanistans, die Erfahrungen mit dem Irak, Libyen, Palästina usw hätten vielleicht doch zu einem Lernprozess geführt. Dazu gab es ökonomische Gründe für die USA, sich zurück zu ziehen. All jene Aktionen waren teuer und kaum noch zu finanzieren.

Da kommt Russland als neuer Akteur ins internationale Spiel. Putin will weltweit Stärke zeigen und schickt seine Armee in ein sinnloses Unterfangen. Denn auch seine Bomben und seine Schergen werden Syriens Probleme nicht lösen, sondern nur neue Probleme und neues Leid schaffen. So stützt der russische Despot Vladi, der Kleine nur den syrischen Erbdespoten Baschar, den Optiker. Und verwendet für jenes teure imperiale Abenteuer die russischen Erlöse aus dem Verkauf von Rohstoffen.

Dabei gäbe es im eigenen Land viel zu tun. Den Menschen dort besseren Wohnraum und eine funktionierende Infrastruktur zu verschaffen, die soziale Absicherung und das Bildungswesen auszubauen. Oder vielleicht die dümpelnde Wirtschaft anzukurbeln? Aber Putin will viel lieber Gott spielen. Hoffen wir, dass er mal Zeit findet, die Literatur seines Landes zu lesen. Er könnte dabei etwas lernen.

Kurznachrichten & Personalien

Menschen als Soldaten untauglich

Dmitri Ostaptschuk, Leiter der russischen Staatsfirma 766UPTK, zeigt sich als Menschenfreund und erklärt die Vorzüge von Kampfrobotern.
"Die Reproduktion eines menschlichen Soldaten dauere knapp 20 Jahre, darunter neun Monate im Mutterleib, 18 Wachstumsjahre und mindestens ein Jahr Gefechtsausbildung. Das ist unverzeihlich lang, wenn die Kriegsverluste groß sind.
Um einen ausgefallenen Kampfroboter zu ersetzen, braucht man nur zwei Monate – und das in der Friedenszeit. Im Krieg würde diese Zeit sogar auf wenige Tage gekürzt werden – entsprechende Technologien sind bereits erprobt worden.
Jeder Soldat, auch wenn er in der Ausbildung sehr gut war, wird in einem echten Kampf vom Selbsterhaltungstrieb gepackt, wodurch er völlig seine Gefechtsfähigkeit verlieren kann. Roboter haben dieses Problem nicht."

Abgesehen davon, dass man in einer Welt nicht leben möchte, in der Kampfroboter Menschen abschlachten, entlarvt den Mann dessen Sprache. Der Mensch wird zum Material, wird entmenschlicht und als untauglich disqualifiziert. Das kennt man aus der Geschichte in der despotische Herrscher die Menschen in tauglich und untauglich sortierten. Und die Untauglichen in KZs oder Gulags entsorgten.
OM 30.11.17

Siemens und das russische Geisterkraftwerk Taman

Der ukrainische Militärblogger Dmytro Tymchuk war einer der wenigen verlässlichen Autoren in der heißen Phase des russischen Krieges gegen die Ostukraine. Der Mann ist heute Parlamentsabgeordneter. Wenn seine aktuellen Ausführungen zu jenen Siemens-Turbinen stimmen, dann ist jenes Kraftwerk in Taman, an das jene Siemens Turbinen geliefert wurden, nichts als eine Schimäre. Von Russland in die Welt gesetzt, damit man mit den Bauteilen ungehindert  ein Kraftwerk auf der Krim ausrüsten kann. Nach seinen Aussagen hätte das Siemens wissen müssen. Das dürfte sich für Siemens noch zu einem großen Problem aufbauen.

OM, 26.07.2017

Minderheitenschutz

Donald Trump, frisch gewählter Präsident der USA, genießt als Rechtspopulist Minderheitenschutz. Den gewährt ihm zumindest das amerikanische Wahlsystem. Denn nach einer aktuellen, aber noch nicht vollständigen Auszählung der Wählerstimmen bekam die unterlegene Kandidatin Hillary Clinton etwa eine Million mehr Wählerstimmen als der Trumpinator. Der Grund ist das dortige Wahlsystem, das über das System der Wahlmänner die Wähler kleinerer Staaten etwas bevorzugt. Das Lamentieren ob solcher Ungerechtigkeiten hilft jedoch nichts - der Mann ist rechtmäßig gewählt.

OM, 16.11.2016

Nachtrag: Inzwischen ist der Vorsprung von Clinton weiter angewachsen. Während Trump nur 62,2 Millionen Wählerstimmen erreicht hat, kommt Clinton inzwischen auf 64,2 Millionen - also zwei Millionen Stimmen mehr. Das ändert aber am Wahlergebnis nichts.

OM, 23.11.2016

Von oben legitimierte Korruption

Micheil Saakaschwili, Gouverneur der Region Odessa/Ukraine, ist von seinem Amt zurückgetreten. Sein Rücktritt ist eine direkte Kritik am ukrainischen Präsidenten  Poroschenko, dem er vorwirft,  zwei korrupte Clans in der Region zu unterstützen. Saakaschwili war bis 2012 Präsident von Georgien, kämpfte dort erfolgreich gegen Korruption. Inzwischen wird gegen den Mann in Georgien wegen Amtsmißbrauch ermittelt und ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Die EU hält dieses Vorgehen für politisch motiviert.
OM, 07.11.2016

Jedem Kalle eine Rolex

Karl-Heinz „Kalle“ Rummenigge soll dieses Jahr bei der Einreise nach Deutschland zwei Luxusuhren im Wert von ca. 100.000 € ins Land geschmuggelt haben. Das Amtsgericht Landshut habe deshalb einen  hohen Strafbefehl erlassen, meldet Focus vor wenigen Tagen. Diese Nachricht konnte man quer durchs Boulevard lesen, wäre also keine Notiz wert. Rummenigge war aus Katar gekommen & hatte in offiziellem Auftrag dort ein Stadion für die Fußball-WM 2022 besichtigt. Angeblich hätte ein Freund ihm die Uhren geschenkt. Da stellt sich doch automatisch die Frage, was war das für ein guter Freund? War es vielleicht ein Geschenk, um die umstrittene Vergabe der WM in den Wüstenstaat etwas akzeptierter zu machen? Wurden damit evtl. deutsche Fußball-Funktionäre geschmiert oder bestochen? Da schweigt das Boulevard & Rummenigge sowieso. OskarMaria, 24.09.2012

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