kampf.jpgDie Sache sollte ein lukratives Geschäftsmodell werden. Alle Film- und Fotoaufnahmen von Amateur-, Jugend- und Kinder-Fussballspielen sollten im Internet nur auf dem gemeinsamen Portal von DFB und Telekom fussball.de gezeigt werden dürfen. So stellten sich das die Verbände vor und hofften auf reichlich Werbeeinnahmen über dieses Portal. Verklagt wurde deshalb vom Baden-Württembergischen Verband die Seite hartplatzhelden.de , die von Nutzern erstellte Filmaufnahmen von Amateur- und Jugendspielen zeigte. Wäre die Sache gerichtlich gewonnen worden, wäre der nächste Schritt gewesen, auch Fotos exklusiv nur noch auf fussball.de zu erlauben. Der BGH hat diesem Ansinnen eine klare Absage erteilt und die Sache an die Vereine verwiesen. Die können letztlich entscheiden, wer auf der Sportanlage filmt oder fotografiert.

Auch der Hessische Fußballverband behält sich das alleinige Veröffentlichungsrecht im Internet vor. In der Satzung heißt es in § 55 über Fernseh- und Hörfunkübertragungen: "Das Recht, über Fernseh- und Hörfunkübertragungen von Meisterschaftsspielen und Pokalspielen Verträge zu schließen, besitzt der HFV, soweit nicht vorrangige Rechte des DFB und seiner Mitgliedsverbände bestehen. Gleiches gilt für die Rechte bezüglich aller neuen Medien, sowie aller anderen Bild- und Tonträger und künftiger technischer Einrichtungen jeder Art und in jeder Programm- und Verwertungsform, insbesondere des Internets. Der Verband kann Dritte mit der Ausübung seiner Rechte beauftragen."

In Hessen wurde bereits dem Fußballportal onlinekicker.info nach eigenen Angaben die Videoberichterstattung von Amateurspielen untersagt. Auch dem Verein VfL Philippsthal wurde das Einstellen von Videos bei youtube verboten. Der HFV möchte vielmehr, dass Fotos, Spielberichte und Filmaufnahmen der Amateur- und Jugendbegegnungen auf die Seite fussball.de eingestellt werden. Der DFB ist hier mit der deutschen Telekom eine Kooperation eingegangen. Hier werden die Fußballergebnisse aller Spielklassen veröffentlicht und hier sollten auch alle diese zusätzlichen Informationen zu den Amateurspielen veröffentlicht werden. Über die dort geschaltete Werbung sollen nicht nur die Kosten für das Portal erwirtschaftet werden, sondern auch Gewinne für die Verbände erzielt werden.

Um diese Alleinstellung von fussball.de sicherzustellen klagte der Baden-Württembergische Fußballverband gegen die Webseite hartplatzhelden.de. Und hat auch vor dem Landgericht Stuttgart und vor dem dortigen Oberlandesgericht recht bekommen. Aus wettbewerblichen Gründen untersagten beide Gerichte die Veröffentlichung der Filme. DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch äußerte sich 2008 zum Urteil des Landgericht: „Es kann nicht sein, dass die Kosten des Spielbetriebes von den ehrenamtlich geführten Amateurvereinen selbst getragen werden müssen, mögliche Einnahmen aber von gewinnorientierten kommerziellen Unternehmen wie der Hartplatzhelden GmbH abgeschöpft werden. Deren Ansinnen, auf Kosten und zu Lasten des Amateurfußballs Gewinne zu erzielen, hat das Landgericht Stuttgart erfreulicherweise nunmehr einen Riegel vorgeschoben."

Die Sache hat nur einen Haken: Die Amateurvereine profitieren überhaupt nicht von der angestrebten Exklusivvermarktung. Sie sollen möglichst viele Besucher für fussball.de generieren. Von den dort erzielten Werbeeinnahmen profitieren nur Telekom und die Verbände. Im Gegenteil - die Amateurvereine müssen sogar noch bezahlen. Alle Fußballergebnisse sollen bis abends 18:00 oder eine Stunde nach Spielende dem DFB gemeldet werden. Wenn der Verein dies unterlässt oder vergisst, fällt 5 Euro Strafe zuzüglich 15 Euro Verwaltungsgebühr an. Die Ergebnisse werden dann auf fussball.de veröffentlicht und an Zeitungen und andere Medien via die Tochterfirma DFB-Medien weiter gereicht. Den dfb-Vereinen wird sogar ein Rückgriff auf die selbst eingegebenen Ergebnisse verwehrt. Diese sollen vielmehr auf fussball.de verlinken und so zusätzliche Besucher und Werbeeinnahmen für diese Webseite generieren.

Der Bundesgerichtshof hat in dieser Angelegenheit höchst vernünftig entschieden, indem er die Sache vom Kopf auf die Füße gestellt hat. Das komplette Urteil ist noch nicht veröffentlicht, aber der Tenor findet sich bereits auf der Webseite . Der BGH schreibt in seiner Begründung: „Der Kläger kann sich über die ihm angehörigen Vereine eine entsprechende wirtschaftliche Verwertung der Fußballspiele in seinem Verbandsgebiet dadurch hinreichend sichern, dass Besuchern der Fußballspiele Filmaufnahmen unter Berufung auf das Hausrecht untersagt werden. Unter diesen Umständen hat der BGH ein besonderes Ausschließlichkeitsrecht von Sportverbänden auch unter den weiteren vom Kläger herangezogenen Gesichtspunkten verneint."

Damit sind die Vereine endlich wieder im Boot und können über die öffentliche Verwertung von Bild- und Videoaufnahmen selbst entscheiden. Und auch direkt profitieren, wenn solche Aufnahmen für gewerbliche Zwecke verwendet werden.

Kurznachrichten & Personalien

Siemens und das russische Geisterkraftwerk Taman

Der ukrainische Militärblogger Dmytro Tymchuk war einer der wenigen verlässlichen Autoren in der heißen Phase des russischen Krieges gegen die Ostukraine. Der Mann ist heute Parlamentsabgeordneter. Wenn seine aktuellen Ausführungen zu jenen Siemens-Turbinen stimmen, dann ist jenes Kraftwerk in Taman, an das jene Siemens Turbinen geliefert wurden, nichts als eine Schimäre. Von Russland in die Welt gesetzt, damit man mit den Bauteilen ungehindert  ein Kraftwerk auf der Krim ausrüsten kann. Nach seinen Aussagen hätte das Siemens wissen müssen. Das dürfte sich für Siemens noch zu einem großen Problem aufbauen.

OM, 26.07.2017

Minderheitenschutz

Donald Trump, frisch gewählter Präsident der USA, genießt als Rechtspopulist Minderheitenschutz. Den gewährt ihm zumindest das amerikanische Wahlsystem. Denn nach einer aktuellen, aber noch nicht vollständigen Auszählung der Wählerstimmen bekam die unterlegene Kandidatin Hillary Clinton etwa eine Million mehr Wählerstimmen als der Trumpinator. Der Grund ist das dortige Wahlsystem, das über das System der Wahlmänner die Wähler kleinerer Staaten etwas bevorzugt. Das Lamentieren ob solcher Ungerechtigkeiten hilft jedoch nichts - der Mann ist rechtmäßig gewählt.

OM, 16.11.2016

Nachtrag: Inzwischen ist der Vorsprung von Clinton weiter angewachsen. Während Trump nur 62,2 Millionen Wählerstimmen erreicht hat, kommt Clinton inzwischen auf 64,2 Millionen - also zwei Millionen Stimmen mehr. Das ändert aber am Wahlergebnis nichts.

OM, 23.11.2016

Von oben legitimierte Korruption

Micheil Saakaschwili, Gouverneur der Region Odessa/Ukraine, ist von seinem Amt zurückgetreten. Sein Rücktritt ist eine direkte Kritik am ukrainischen Präsidenten  Poroschenko, dem er vorwirft,  zwei korrupte Clans in der Region zu unterstützen. Saakaschwili war bis 2012 Präsident von Georgien, kämpfte dort erfolgreich gegen Korruption. Inzwischen wird gegen den Mann in Georgien wegen Amtsmißbrauch ermittelt und ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Die EU hält dieses Vorgehen für politisch motiviert.
OM, 07.11.2016

Jedem Kalle eine Rolex

Karl-Heinz „Kalle“ Rummenigge soll dieses Jahr bei der Einreise nach Deutschland zwei Luxusuhren im Wert von ca. 100.000 € ins Land geschmuggelt haben. Das Amtsgericht Landshut habe deshalb einen  hohen Strafbefehl erlassen, meldet Focus vor wenigen Tagen. Diese Nachricht konnte man quer durchs Boulevard lesen, wäre also keine Notiz wert. Rummenigge war aus Katar gekommen & hatte in offiziellem Auftrag dort ein Stadion für die Fußball-WM 2022 besichtigt. Angeblich hätte ein Freund ihm die Uhren geschenkt. Da stellt sich doch automatisch die Frage, was war das für ein guter Freund? War es vielleicht ein Geschenk, um die umstrittene Vergabe der WM in den Wüstenstaat etwas akzeptierter zu machen? Wurden damit evtl. deutsche Fußball-Funktionäre geschmiert oder bestochen? Da schweigt das Boulevard & Rummenigge sowieso. OskarMaria, 24.09.2012

Piraten lassen das Kapern nicht

Der Blogger Robert Basic will ein neues Projekt unter der Domain buzzriders.com starten. Der Branchendienst Heise meldete dazu, dass die entsprechende Domain buzzriders.de von einem Domain-Grabber von den britischen Jungferninseln registriert worden wäre. Doch so weit muss man eventuell gar nicht fahren, wahrscheinlich kann man die Domain bereits in Bochum abholen.
Eigentlich ist es eine dreiste Angelegenheit. Auf der Hauptinsel Tortola der Britischen Jungferninseln gab es bis zum Jahr 2006 einen katholischen Priester namens Peter Brannelly . Und merkwürdigerweise tauchte diese Name in unterschiedlicher Schreibweise als Peter Branelly oder Peter Brannelly als Ansprechpartner für eine Netsol Ltd in Road Town auf Tortola auf, der für die Registrierung zahlreicher Domainnamen verantwortlich zeichnet, darunter zahlreiche Pornoseiten.
Noch merkwürdiger allerdings ist, dass es bei den Domains immer Verbindungen zu einer deutschen Firma gab und gibt. Mal wurde als Registrar die Firma Fliks GmbH in Bochum angegeben, mal ist als Nameserver „fliks.net“ angegeben, irgendwie lässt sich meist eine Verbindung zu der Firma von Randolf J. aka Gulli herstellen.
Die Domain buzzriders.de wird im Moment bei Sedo zum Verkauf angeboten. Wahrscheinlich würde auch ein Angebot nach Bochum genügen.
OskarMaria, 14.02.2010

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