Vor knapp drei Monaten wurde die eDonkey-Linkseite ShareReactor unter großem Medientamtam geschlossen. Die BoardNachrichten fragten Simon Moon, den verantwortlichen Betreiber von ShareReactor, was ihm eigentlich vorgeworfen wird und wie es ihm seither ergangen ist.

BoardNachrichten: Simon Moon, jetzt sind knapp drei Monate vergangen, seit Sharereactor von den Schweizer Behörden vom Netz genommen wurde. Sharereactor war meines Wissens eine Linkseite - es wurden keine urheberrechtlich geschützten Dateien direkt angeboten oder getauscht. Weißt Du inzwischen, was Dir konkret von der Staatsanwaltschaft/ Polizei vorgeworfen wird?

Simon Moon: Konkret, nein. Mir werden zwei Artikel vorgeworfen, aber das ist etwa so präzise wie wenn ich sage: "Du hast einen Fehler mit dem Auto gemacht". Aus der Presse (!) und nicht direkt von den Behörden haben mein Anwalt und ich dann erfahren, dass es hier nicht darum geht, dass ich der Hauptschuldige bin. Sondern das ich hier "Gehilfenschaft" leiste. So in etwa das Äquivalent von "Schmierestehen". Weiter sind wir bisher nicht, und das nun bald 3 Monate lang...

BoardNachrichten: Gibt es in der Schweiz vergleichbare Fälle, in der die Behörden gegen Linkseiten oder Linkforen vorgegangen sind?

Simon Moon: Es gibt einen Fall wo gegen jemand vorgegangen wurde, weil er (Professor) im Rahmen einer seiner Seiten auf eine andere Seite verlinkt hat. Die Seite hieß "Stop the hate" oder so und darauf waren Links zu rechtradikalen Seiten, als abschreckendes Beispiel. Trotzdem wurde der Professor dann angeklagt, etwas getan zu haben, das rechtswidrig war. Ergebnis: Links sind nicht strafbar. Ich bin kein Jurist, aber wer's nachlesen will, kann das gerne tun. Hier ist der komplette Fall dokumentiert: http://www.jurpc.de/rechtspr/20020337.htm

BoardNachrichten: Auf welcher rechtlichen Basis wurden denn die Webseiten von Sharereactor geschlossen? Gab es dazu eine gerichtliche Verfügung?

Simon Moon: Die SAFE (www.safe.ch) hat eine Beschwerde oder Anklage oder "Wasauchimmer" eingereicht. Daraufhin ist die Polizei hier vor Ort tätig geworden. Es handelt sich hier um eine strafrechtliche Sache, nicht um eine zivilrechtliche. Sprich, die großen Firmen, die sich hinter SAFE ducken, lassen mich mit bezahlen, daß sie mich jetzt verfolgen und jeden Schweizer Staatsbürger oben drauf. Wenn ich verliere, dann bekommt SAFE nichts. Sharereactor wurde vom Untersuchungsrichter beschlagnahmt. Zuerst war davon nicht einmal die Rede, dann meinte man etwas von "Festplatten am Server ausbauen" und am Ende gingen zwei Server und zwei Arbeitsstationen weg. Es gibt keine gerichtliche Verfügung, das ist "nur" eine Untersuchung.

BoardNachrichten: Die "Schweizer Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie" Safe rühmt sich, dass sie in aufwendigen Recherchen Sharereactor ermittelt und zur Anzeige gebracht hätte. Du hast doch immer offen und öffentlich agiert, Sharereactor war auf Dich registriert. Was gab es da groß zu ermitteln?

Simon Moon: Das frag ich mich bis zum heutigen Zeitpunkt. Alles was SR war konnte man frei und offen einsehen. Man musste sich nicht einmal registrieren. Wo hier die große Untersuchung ablief, ist fraglich. Nein falsch, es ist lächerlich. Hier wurde einfach mal drauf los gewurstelt. Wer auch immer das hier losgetreten hat, wird jetzt relativ stark schwitzen. Weil bei mir nichts gefunden wurde, und das kann zurück auf SAFE feuern.

BoardNachrichten: Konservative Regierungen in Europa verschärfen zur Zeit das Urheberrecht & kriminalisieren Tauschbörsen. Wie sieht die Entwicklung in der Schweiz aus?

Simon Moon: Langsam. Auf der anderen Seite musst du auch bedenken das die Schweiz nicht die EU ist. Wir haben einige hypermoderne Gesetze, aber auch einige, die noch aus der Steinzeit stammen. Irgendwas wird passieren, aber ich glaube nicht, dass sich die Schweizer von solchen Blendaktionen wie "wir machen miese, die P2P Leute sind schuld", kaputt reden lassen.

BoardNachrichten: Wie sieht die Sache für Dich persönlich aus? Dein Konto war gesperrt, alle Computer beschlagnahmt - auch die privat genutzten Geräte. Hast Du jetzt Sorge um Deine private Zukunft?

Simon Moon: Ich bin privat stark angeschlagen. Ich muss mir einen festen Job suchen, weil ich sonst unmöglich all das bezahlen kann, was durch diese "Untersuchung" mir hier alles in die Quere gekommen ist. Ich habe Rechnungen, die noch von ShareReactor her kommen, aber kein ShareReactor, der sie bezahlt. Ohne Computer kann ich nicht arbeiten und ich war gerade dabei, mir einen neuen zusammen zu bauen. Also konnte ich innerhalb eines Monats gleich doppelt einen neuen Computer bezahlen. Beim zweiten Mal noch mehr, weil ich beim ersten Modell nicht alle Komponenten gekauft habe - wegen meines Budgets. Alle Computer wurden nicht beschlagnahmt. Nur zwei Server von SR und zwei Arbeitsmaschinen (naja, die einzigen Maschinen, die einfach in meinem Büro waren). Die anderen Server, beispielsweise Monitoring, die beiden DNS-Server, der Mailserver, die beiden Jigle-Server, mein "allgemeiner Hosting" Server und die nigelnagelneue Opteron, die einen Tag vorher fertig wurde, standen am Ende des Tages noch brav da. Ich mache mir Sorgen um meine Zukunft und die meiner Freundin. Wir kamen gut durch und waren auf dem Weg der Besserung, vor allem dass ShareReactor zu dem Zeitpunkt sich endlich von alleine hätte tragen können. Und jetzt sind wir in einem recht großen Loch, weil das Teil weggezogen wurde. In dem Moment, wo es hätte aufwärts gehen können. Stell dir vor, du baust dir mühselig eine Leiter, weil du in einem Loch hockst. Und dann hast du die Leiter endlich fertig und dann kommt jemand und kickt sie dir weg, so dass du in ein noch größeres Loch fällst. So geht’s mir gerade.

 

Kurznachrichten & Personalien

Menschen als Soldaten untauglich

Dmitri Ostaptschuk, Leiter der russischen Staatsfirma 766UPTK, zeigt sich als Menschenfreund und erklärt die Vorzüge von Kampfrobotern.
"Die Reproduktion eines menschlichen Soldaten dauere knapp 20 Jahre, darunter neun Monate im Mutterleib, 18 Wachstumsjahre und mindestens ein Jahr Gefechtsausbildung. Das ist unverzeihlich lang, wenn die Kriegsverluste groß sind.
Um einen ausgefallenen Kampfroboter zu ersetzen, braucht man nur zwei Monate – und das in der Friedenszeit. Im Krieg würde diese Zeit sogar auf wenige Tage gekürzt werden – entsprechende Technologien sind bereits erprobt worden.
Jeder Soldat, auch wenn er in der Ausbildung sehr gut war, wird in einem echten Kampf vom Selbsterhaltungstrieb gepackt, wodurch er völlig seine Gefechtsfähigkeit verlieren kann. Roboter haben dieses Problem nicht."

Abgesehen davon, dass man in einer Welt nicht leben möchte, in der Kampfroboter Menschen abschlachten, entlarvt den Mann dessen Sprache. Der Mensch wird zum Material, wird entmenschlicht und als untauglich disqualifiziert. Das kennt man aus der Geschichte in der despotische Herrscher die Menschen in tauglich und untauglich sortierten. Und die Untauglichen in KZs oder Gulags entsorgten.
OM 30.11.17

Siemens und das russische Geisterkraftwerk Taman

Der ukrainische Militärblogger Dmytro Tymchuk war einer der wenigen verlässlichen Autoren in der heißen Phase des russischen Krieges gegen die Ostukraine. Der Mann ist heute Parlamentsabgeordneter. Wenn seine aktuellen Ausführungen zu jenen Siemens-Turbinen stimmen, dann ist jenes Kraftwerk in Taman, an das jene Siemens Turbinen geliefert wurden, nichts als eine Schimäre. Von Russland in die Welt gesetzt, damit man mit den Bauteilen ungehindert  ein Kraftwerk auf der Krim ausrüsten kann. Nach seinen Aussagen hätte das Siemens wissen müssen. Das dürfte sich für Siemens noch zu einem großen Problem aufbauen.

OM, 26.07.2017

Minderheitenschutz

Donald Trump, frisch gewählter Präsident der USA, genießt als Rechtspopulist Minderheitenschutz. Den gewährt ihm zumindest das amerikanische Wahlsystem. Denn nach einer aktuellen, aber noch nicht vollständigen Auszählung der Wählerstimmen bekam die unterlegene Kandidatin Hillary Clinton etwa eine Million mehr Wählerstimmen als der Trumpinator. Der Grund ist das dortige Wahlsystem, das über das System der Wahlmänner die Wähler kleinerer Staaten etwas bevorzugt. Das Lamentieren ob solcher Ungerechtigkeiten hilft jedoch nichts - der Mann ist rechtmäßig gewählt.

OM, 16.11.2016

Nachtrag: Inzwischen ist der Vorsprung von Clinton weiter angewachsen. Während Trump nur 62,2 Millionen Wählerstimmen erreicht hat, kommt Clinton inzwischen auf 64,2 Millionen - also zwei Millionen Stimmen mehr. Das ändert aber am Wahlergebnis nichts.

OM, 23.11.2016

Von oben legitimierte Korruption

Micheil Saakaschwili, Gouverneur der Region Odessa/Ukraine, ist von seinem Amt zurückgetreten. Sein Rücktritt ist eine direkte Kritik am ukrainischen Präsidenten  Poroschenko, dem er vorwirft,  zwei korrupte Clans in der Region zu unterstützen. Saakaschwili war bis 2012 Präsident von Georgien, kämpfte dort erfolgreich gegen Korruption. Inzwischen wird gegen den Mann in Georgien wegen Amtsmißbrauch ermittelt und ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Die EU hält dieses Vorgehen für politisch motiviert.
OM, 07.11.2016

Jedem Kalle eine Rolex

Karl-Heinz „Kalle“ Rummenigge soll dieses Jahr bei der Einreise nach Deutschland zwei Luxusuhren im Wert von ca. 100.000 € ins Land geschmuggelt haben. Das Amtsgericht Landshut habe deshalb einen  hohen Strafbefehl erlassen, meldet Focus vor wenigen Tagen. Diese Nachricht konnte man quer durchs Boulevard lesen, wäre also keine Notiz wert. Rummenigge war aus Katar gekommen & hatte in offiziellem Auftrag dort ein Stadion für die Fußball-WM 2022 besichtigt. Angeblich hätte ein Freund ihm die Uhren geschenkt. Da stellt sich doch automatisch die Frage, was war das für ein guter Freund? War es vielleicht ein Geschenk, um die umstrittene Vergabe der WM in den Wüstenstaat etwas akzeptierter zu machen? Wurden damit evtl. deutsche Fußball-Funktionäre geschmiert oder bestochen? Da schweigt das Boulevard & Rummenigge sowieso. OskarMaria, 24.09.2012

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