Die Programmierer des eDonkey-Clients eMule bereiten ein neues Filesharing-Netzwerk vor, das ohne Server auskommen soll. Einen Namen hat die Sache noch nicht, dafür wurden erste Tests bereits erfolgreich durchgeführt, wie das Mitglied Schuttwegräumer zu berichten weiß.

Eigentlich war das eDonkey-Netzwerk so angelegt, dass viele kleine Heimserver den Verkehr zwischen den Nutzern steuern sollten. Doch mit dem Erfolg dieser Tauschbörse kamen schnell die großen Server in Mode, die bis zu 150.000 Benutzer gleichzeitig bedienen konnten. Kommerzielle Anbieter nutzten diese Server meist als Werbeplattformen für ihre Dienstleistungen, denn anders wäre der dabei entstehende gigantische Traffic auch gar nicht zu finanzieren. Doch diese Abhängigkeit von den großen Servern erweist sich als große Bürde für die Zukunft des Netzwerkes. Privatpersonen können solche Rechner niemals finanzieren und lohnt sich die Finanzierung über Werbung nicht mehr, dann funktioniert die Tauschbörse nicht mehr. Die BoardNachrichten haben vor etwa drei Wochen über einen großen gleichzeitigen Crash vieler Server berichtet. Und vor ein paar Tagen hatte sich zum Beispiel Silent-Bob verabschiedet, der im letzten Jahr sehr zuverlässig bis zu 100.000 Clients versorgt hatte.

Durch das OpenSource-Projekt eMule war innerhalb des letzten Jahres der ursprüngliche Client eDonkey zu einem Minderheitenprogramm geschrumpft. Doch die Programmierer des eDonkeys hatten in der Zwischenzeit ihr Programm wesentlich weiterentwickelt. Neben der herkömmlichen Tauschbörse konnte der sich auch im Overnet tummeln, einem Peer-To-Peer-Netzwerk, das keine zentralen Server benötigt und deshalb auch ohne kommerzielle Unterstützung auskommt.

Jetzt wird auch bei den Entwicklern von eMule umgedacht. Der Programmierer Ornis veröffentlichte im offiziellen Forum eine Erklärung, dass ein eigenes serverloses eMule-Netzwerk in Vorbereitung wäre. Die Netzwerk würde sich aber nicht dem Overnet anschließen, sondern eigene Wege gehen. Da dessen Protokoll nicht frei verfügbar wäre, wäre es zu kompliziert, dieses nachzubauen und außerdem wolle man eigene Features anbieten. Erste Test seien bereits gestartet. Am Anfang wird es wie beim eDonkey einen Client geben, der beide Formen der Tauschbörse nutzen kann - mit oder ohne Server. Der Tausch ohne Server wird aber zuerst nur für die Leute möglich sein, die sich nicht hinter einem Firewall, Router oder Proxy verstecken. Aber auch diese Hürde soll bald überwunden sein.

Inzwischen kann man noch nicht freigegebene Alphaversionen des neuen eMules bereits über das herkömmliche eMule-Netzwerk beziehen. Im Moment sind dort zwei Versionen im Umlauf, eMule 0.39d* und eMule 39E**. Wie beim Overnet benutzt der neue eMule das Kademlia-Protokoll, deshalb sind die Versionen auch unter diesem Stichwort im Netz zu finden. Einige Mitglieder des eMule-Forums, die nicht zu den Entwicklern gehören, haben inzwischen das neue Netzwerk getestet.

Dazu gehört auch der Nick Schuttwegräumer, der seine ersten Eindrücke so zusammenfasst:

"Ich habe den eDonkey-Teil des neuen eMules derzeit abgeschaltet und die Ports geändert, damit die Quellen auf anderen Rechnern das Ergebnis nicht verfälschen. Es sind aber noch recht wenige Leute mit diesem (internen Test-)Client unterwegs. Dadurch bleibt ein Masseneffekt zuerst einmal wie beim Overnet aus. Ich denke mal, dass ab einer gewissen Anzahl an Kadelia-Clients das aber recht gut funktionieren wird.

Durch den Quellenaustausch mit dem herkömmlichen eDonkey-Netzwerk finden inzwischen doch Quellen zu mir, die meisten sind bei einer Kontrolle aber ed2k-Clients. Diese kommen halt dadurch zu mir, dass die neuen Clients auch eine Verbindung ins herkömmliche Netz aufbauen können. Wer also mehr Quellen haben will, sollte beide Protokolle aktivieren. Allerdings ist das dann kein objektiver Test mehr.

Sollte dieser neue eMule-Client, der auf Basis des Kademlia-Protokolls funktioniert, dieselbe Qualität wie das Overnet bekommen (oder besser), dann hat das Projekt sicherlich Zukunft. Momentan ist halt bei den beiden Versionen 0.39 d/e noch einiges Beta und der Client wurde ja bisher offiziell überhaupt nicht freigegeben. Die Sache wird auf jeden Fall spannend."

 

* eDonkey-Link: e2k://|file|emule_39d_kademlia_test.zip|1354482|A27280FFCACDB41B07C50E048BC977C3|/

** eDonkey-Link: ed2k://|file|Emule.Kademlia.v0.39E.Test.zip|1358009|DF401AF6440A38966910FF63ADEB6D08|/

Kurznachrichten & Personalien

Menschen als Soldaten untauglich

Dmitri Ostaptschuk, Leiter der russischen Staatsfirma 766UPTK, zeigt sich als Menschenfreund und erklärt die Vorzüge von Kampfrobotern.
"Die Reproduktion eines menschlichen Soldaten dauere knapp 20 Jahre, darunter neun Monate im Mutterleib, 18 Wachstumsjahre und mindestens ein Jahr Gefechtsausbildung. Das ist unverzeihlich lang, wenn die Kriegsverluste groß sind.
Um einen ausgefallenen Kampfroboter zu ersetzen, braucht man nur zwei Monate – und das in der Friedenszeit. Im Krieg würde diese Zeit sogar auf wenige Tage gekürzt werden – entsprechende Technologien sind bereits erprobt worden.
Jeder Soldat, auch wenn er in der Ausbildung sehr gut war, wird in einem echten Kampf vom Selbsterhaltungstrieb gepackt, wodurch er völlig seine Gefechtsfähigkeit verlieren kann. Roboter haben dieses Problem nicht."

Abgesehen davon, dass man in einer Welt nicht leben möchte, in der Kampfroboter Menschen abschlachten, entlarvt den Mann dessen Sprache. Der Mensch wird zum Material, wird entmenschlicht und als untauglich disqualifiziert. Das kennt man aus der Geschichte in der despotische Herrscher die Menschen in tauglich und untauglich sortierten. Und die Untauglichen in KZs oder Gulags entsorgten.
OM 30.11.17

Siemens und das russische Geisterkraftwerk Taman

Der ukrainische Militärblogger Dmytro Tymchuk war einer der wenigen verlässlichen Autoren in der heißen Phase des russischen Krieges gegen die Ostukraine. Der Mann ist heute Parlamentsabgeordneter. Wenn seine aktuellen Ausführungen zu jenen Siemens-Turbinen stimmen, dann ist jenes Kraftwerk in Taman, an das jene Siemens Turbinen geliefert wurden, nichts als eine Schimäre. Von Russland in die Welt gesetzt, damit man mit den Bauteilen ungehindert  ein Kraftwerk auf der Krim ausrüsten kann. Nach seinen Aussagen hätte das Siemens wissen müssen. Das dürfte sich für Siemens noch zu einem großen Problem aufbauen.

OM, 26.07.2017

Minderheitenschutz

Donald Trump, frisch gewählter Präsident der USA, genießt als Rechtspopulist Minderheitenschutz. Den gewährt ihm zumindest das amerikanische Wahlsystem. Denn nach einer aktuellen, aber noch nicht vollständigen Auszählung der Wählerstimmen bekam die unterlegene Kandidatin Hillary Clinton etwa eine Million mehr Wählerstimmen als der Trumpinator. Der Grund ist das dortige Wahlsystem, das über das System der Wahlmänner die Wähler kleinerer Staaten etwas bevorzugt. Das Lamentieren ob solcher Ungerechtigkeiten hilft jedoch nichts - der Mann ist rechtmäßig gewählt.

OM, 16.11.2016

Nachtrag: Inzwischen ist der Vorsprung von Clinton weiter angewachsen. Während Trump nur 62,2 Millionen Wählerstimmen erreicht hat, kommt Clinton inzwischen auf 64,2 Millionen - also zwei Millionen Stimmen mehr. Das ändert aber am Wahlergebnis nichts.

OM, 23.11.2016

Von oben legitimierte Korruption

Micheil Saakaschwili, Gouverneur der Region Odessa/Ukraine, ist von seinem Amt zurückgetreten. Sein Rücktritt ist eine direkte Kritik am ukrainischen Präsidenten  Poroschenko, dem er vorwirft,  zwei korrupte Clans in der Region zu unterstützen. Saakaschwili war bis 2012 Präsident von Georgien, kämpfte dort erfolgreich gegen Korruption. Inzwischen wird gegen den Mann in Georgien wegen Amtsmißbrauch ermittelt und ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Die EU hält dieses Vorgehen für politisch motiviert.
OM, 07.11.2016

Jedem Kalle eine Rolex

Karl-Heinz „Kalle“ Rummenigge soll dieses Jahr bei der Einreise nach Deutschland zwei Luxusuhren im Wert von ca. 100.000 € ins Land geschmuggelt haben. Das Amtsgericht Landshut habe deshalb einen  hohen Strafbefehl erlassen, meldet Focus vor wenigen Tagen. Diese Nachricht konnte man quer durchs Boulevard lesen, wäre also keine Notiz wert. Rummenigge war aus Katar gekommen & hatte in offiziellem Auftrag dort ein Stadion für die Fußball-WM 2022 besichtigt. Angeblich hätte ein Freund ihm die Uhren geschenkt. Da stellt sich doch automatisch die Frage, was war das für ein guter Freund? War es vielleicht ein Geschenk, um die umstrittene Vergabe der WM in den Wüstenstaat etwas akzeptierter zu machen? Wurden damit evtl. deutsche Fußball-Funktionäre geschmiert oder bestochen? Da schweigt das Boulevard & Rummenigge sowieso. OskarMaria, 24.09.2012

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