Wer sich auf einem Forum registriert und dort etwas Zeit verbringen will, sollte sich zuerst den Betreiber etwas genauer ansehen. Denn wie bei der Mitgliederschar gibt es auch unter den Forenadministratoren schwarze Schafe. Doch deren persönliches Verhalten auf den Boards ist nur die eine Seite der Medaille, vielen Besuchern bleibet verborgen, was die Betreiber mit Hilfe von Zusatzprogrammen zur Forensoftware alles anstellen können. Es ist schon ziemlich erstaunlich, was manche Boardbetreiber so alles ausspähen und welch sadistische Ideen Programmierer umgesetzt haben, um unliebsamen Besuchern die Lust am Forentalk zu nehmen. Aktuelles Opfer solcher schmutzigen Tricks wurde beim Foren-Hotel das Mitglied UserX.

Eigentlich ist UserX als Administrator des kommerziellen Gulli-Boards mit dieser Aufgabe ziemlich ausgelastet. Doch hin und wieder diskutiert dieser gerne auch an anderer Stätte. Auf dem vor wenigen Monaten gegründeten Foren-Hotel wurde er jetzt Opfer eines Zusatzprogramms zur Forensoftware vBulletin, das in seiner Hinterhältigkeit kaum zu überbieten ist. Beim "Miserable User-Hack (Böse-Buben-Hack)" werden Forenmitglieder, die auf eine schwarze Liste gesetzt werden, von der Software auf eine fein ausgeklügelte Weise ausgetrickst:
- In 75 Prozent der Zeit bekommen sie die Meldung zu sehen: Der Server ist überlastet, versuche es später noch einmal.
- Kommt das Mitglied dann doch auf das Board, dann bekommt er in 50 Prozent aller Fälle eine leere Seite zu sehen, in 30% der Aufrufe wird er auf die Hauptseite geleitet und nur in 20 Prozent aller Fälle bekommt er die gewünschte Seite zu sehen.
- In 90 Prozent aller Aufrufe hat das Mitglied keinen Zugang zur Suchfunktion.
- Klickt er auf einen Link innerhalb des Forums, dann dauert es bis zwischen einer und zwei Minuten, bis die neue Seite aufgebaut wird.

Ein normales Mitglied, das in technischen Dingen nicht so bewandert ist, wird meinen, dass irgendetwas mit seiner Internetverbindung stimmt und es deshalb das Forum nicht erreichen kann. Denn manchmal funktioniert ja alles, aber meist wird das Mitglied genervt vor dem Monitor sitzen und warten, dass sich etwas tut. Der Autor dieses "Hacks" schreibt selbst, dass dieses Programm eines seiner sadistischen Machwerke wäre. Auf Grund seiner Erfahrungen als Administrator konnte UserX allerdings diese Schikane schnell durchschauen und er machte die Sache öffentlich.

Man könnte jetzt die Angelegenheit als einen Einzelfall abtun, denn angeblich wurde die Software beim Foren-Hotel von Merlin Wizard installiert, einem seit Jahren Szene-notorischen Streithammel. Und solche nervigen Typen wie dieser kommen auch im Netz nicht allzu häufig vor. Doch ein Blick in die entsprechenden Supportforen der großen Bulletinboards verrät, dass eine Vielzahl von Programmierern damit beschäftigt sind, immer neue Modifikationen zu ersinnen und zu programmieren, die die Mitglieder ausspähen und manchmal auch malträtieren sollen. Auf Grund der Vielzahl dieser Hacks und der hohen Download-Zahlen ist es wahrscheinlich, dass einige Boardbetreiber solche Erweiterungen auch anwenden und nicht nur zu Testzwecken ausprobieren.

Die BoardNachrichten haben die beiden populärsten Forenprogramme vBulletin und phpBB etwas unter die Lupe genommen. Wir wollten wissen, welche Zusatzprogramme die Mitglieder über Gebühr ausspähen oder benutzt werden können, um unliebsame Mitglieder los zu werden. Das Ergebnis ist dann doch erstaunlich. Obwohl die Forensoftware phpBB für die Administratoren nur wenige Kontrollfunktionen bietet, obwohl es bei dieser Software besonders viele Programmerweiterungen und eine Heerschar von freien Programmierern gibt, findet man dort gerade mal vier kritische Anwendungen. Keines dieser Tools bekam übrigens den Segen der Entwickler und befindet sich in der offiziellen Datenbank zum Download. Beim vBB dagegen, das bereits in der Grundausstattung einem Administrator sehr viele Rechte und Informationen zur Verfügung stellt, haben wir knapp zwanzig Späh- und Quälprogramme gefunden. Alle werden über die offizielle Supportdatenbank auch zur Verfügung gestellt.

Es ist schon erstaunlich, was sich die Programmierer von so genannten Mods oder Hacks alles haben einfallen lassen. Da kann zum Beispiel ein Administrator überprüfen, von welchen Webseiten jeder seiner Besucher herkommt. Und kommt einer aus einer Ecke im Netz, die ihm nicht passt, dann werden diese Mitglieder einfach automatisch gebannt. Solch ein Programm ist besonders "hilfreich", wenn auf einem anderen Forum über das eigene Board debattiert wird. Der Administrator kann dann einfach alle diese Diskutanten im eigenen Forum kaltstellen. Ein anderer hinterhältiger Trick wurde im "User-ToUser-Log" umgesetzt. Dabei wird die gesamte Kommunikation zwischen den Mitgliedern bespitzelt. Alle privaten Nachrichten, alle eMails werden geloggt, deren Inhalte auf Wunsch auch in einer Log-Datei gespeichert und dem Administrator zur Verfügung gestellt. Immerhin hat der Autor dieses Programms optional eine Möglichkeit eingebaut, die Mitglieder bei der Registrierung über den Einsatz des Spähprogrammes informieren soll.

Mitglieder können sich gegen solche Tricks der Boardbetreiber kaum wehren. Denn sie wissen ja nicht, welche Programmmodifikationen in ihrem Forum eingesetzt werden. Und diese Tools arbeiten meist für die normalen Benutzer völlig unsichtbar. Im Prinzip hilft da nur - beim leisesten Verdacht, sofort einen Administrator fragen, welche Mods oder Hacks eigentlich auf dem entsprechenden Board installiert sind. Und sollte der Einsatz eines Späh- oder Quälprogramms wahrscheinlich sein, dann vom Betreiber die sofortige Entfernung verlangen. Oder noch besser - diese Foren in Zukunft meiden und die Löschung des eigenen Namens zu verlangen. Denn Foren mit netten Leuten gibt es im Netz wie Sand am Meer und bessere Alternativen findet man immer.

Kurznachrichten & Personalien

Menschen als Soldaten untauglich

Dmitri Ostaptschuk, Leiter der russischen Staatsfirma 766UPTK, zeigt sich als Menschenfreund und erklärt die Vorzüge von Kampfrobotern.
"Die Reproduktion eines menschlichen Soldaten dauere knapp 20 Jahre, darunter neun Monate im Mutterleib, 18 Wachstumsjahre und mindestens ein Jahr Gefechtsausbildung. Das ist unverzeihlich lang, wenn die Kriegsverluste groß sind.
Um einen ausgefallenen Kampfroboter zu ersetzen, braucht man nur zwei Monate – und das in der Friedenszeit. Im Krieg würde diese Zeit sogar auf wenige Tage gekürzt werden – entsprechende Technologien sind bereits erprobt worden.
Jeder Soldat, auch wenn er in der Ausbildung sehr gut war, wird in einem echten Kampf vom Selbsterhaltungstrieb gepackt, wodurch er völlig seine Gefechtsfähigkeit verlieren kann. Roboter haben dieses Problem nicht."

Abgesehen davon, dass man in einer Welt nicht leben möchte, in der Kampfroboter Menschen abschlachten, entlarvt den Mann dessen Sprache. Der Mensch wird zum Material, wird entmenschlicht und als untauglich disqualifiziert. Das kennt man aus der Geschichte in der despotische Herrscher die Menschen in tauglich und untauglich sortierten. Und die Untauglichen in KZs oder Gulags entsorgten.
OM 30.11.17

Siemens und das russische Geisterkraftwerk Taman

Der ukrainische Militärblogger Dmytro Tymchuk war einer der wenigen verlässlichen Autoren in der heißen Phase des russischen Krieges gegen die Ostukraine. Der Mann ist heute Parlamentsabgeordneter. Wenn seine aktuellen Ausführungen zu jenen Siemens-Turbinen stimmen, dann ist jenes Kraftwerk in Taman, an das jene Siemens Turbinen geliefert wurden, nichts als eine Schimäre. Von Russland in die Welt gesetzt, damit man mit den Bauteilen ungehindert  ein Kraftwerk auf der Krim ausrüsten kann. Nach seinen Aussagen hätte das Siemens wissen müssen. Das dürfte sich für Siemens noch zu einem großen Problem aufbauen.

OM, 26.07.2017

Minderheitenschutz

Donald Trump, frisch gewählter Präsident der USA, genießt als Rechtspopulist Minderheitenschutz. Den gewährt ihm zumindest das amerikanische Wahlsystem. Denn nach einer aktuellen, aber noch nicht vollständigen Auszählung der Wählerstimmen bekam die unterlegene Kandidatin Hillary Clinton etwa eine Million mehr Wählerstimmen als der Trumpinator. Der Grund ist das dortige Wahlsystem, das über das System der Wahlmänner die Wähler kleinerer Staaten etwas bevorzugt. Das Lamentieren ob solcher Ungerechtigkeiten hilft jedoch nichts - der Mann ist rechtmäßig gewählt.

OM, 16.11.2016

Nachtrag: Inzwischen ist der Vorsprung von Clinton weiter angewachsen. Während Trump nur 62,2 Millionen Wählerstimmen erreicht hat, kommt Clinton inzwischen auf 64,2 Millionen - also zwei Millionen Stimmen mehr. Das ändert aber am Wahlergebnis nichts.

OM, 23.11.2016

Von oben legitimierte Korruption

Micheil Saakaschwili, Gouverneur der Region Odessa/Ukraine, ist von seinem Amt zurückgetreten. Sein Rücktritt ist eine direkte Kritik am ukrainischen Präsidenten  Poroschenko, dem er vorwirft,  zwei korrupte Clans in der Region zu unterstützen. Saakaschwili war bis 2012 Präsident von Georgien, kämpfte dort erfolgreich gegen Korruption. Inzwischen wird gegen den Mann in Georgien wegen Amtsmißbrauch ermittelt und ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Die EU hält dieses Vorgehen für politisch motiviert.
OM, 07.11.2016

Jedem Kalle eine Rolex

Karl-Heinz „Kalle“ Rummenigge soll dieses Jahr bei der Einreise nach Deutschland zwei Luxusuhren im Wert von ca. 100.000 € ins Land geschmuggelt haben. Das Amtsgericht Landshut habe deshalb einen  hohen Strafbefehl erlassen, meldet Focus vor wenigen Tagen. Diese Nachricht konnte man quer durchs Boulevard lesen, wäre also keine Notiz wert. Rummenigge war aus Katar gekommen & hatte in offiziellem Auftrag dort ein Stadion für die Fußball-WM 2022 besichtigt. Angeblich hätte ein Freund ihm die Uhren geschenkt. Da stellt sich doch automatisch die Frage, was war das für ein guter Freund? War es vielleicht ein Geschenk, um die umstrittene Vergabe der WM in den Wüstenstaat etwas akzeptierter zu machen? Wurden damit evtl. deutsche Fußball-Funktionäre geschmiert oder bestochen? Da schweigt das Boulevard & Rummenigge sowieso. OskarMaria, 24.09.2012

Go to top